Fachbeitrag · 17. August 2026

PCBN-Hartdrehen mit Minimalmengenschmierung: Werkzeugverschleiß und Randzone gemeinsam bewerten

PCBN-Wendeschneidplatte beim Hartdrehen einer gehärteten Welle mit Minimalmengenschmierung

Hartdrehen kann für rotationssymmetrische Bauteile eine wirtschaftlich attraktive Ergänzung zum Schleifen sein. Die Entscheidung sollte sich jedoch nicht allein an der erreichbaren Rauheit orientieren. Werkzeugverschleiß, thermische Belastung und Veränderungen der Werkstückrandzone müssen gemeinsam bewertet werden. Eine 2026 veröffentlichte Studie zum Hartdrehen von einsatzgehärtetem SAE-8620-Stahl zeigt, wie die Schmierstrategie diese Faktoren beeinflussen kann.

Untersucht wurde gasaufgekohlter, gehärteter und angelassener Stahl mit einer Oberflächenhärte von 58–62 HRC und einer effektiven Einsatzhärtetiefe von 0,8–1,2 mm. Mit einer handelsüblichen PCBN-Wendeschneidplatte wurde die Trockenbearbeitung mit der Minimalmengenschmierung (MMS) verglichen. Im Versuchsaufbau wurden über zwei Druckluftdüsen etwa 40 ml/h eines Schmierstoffs auf Pflanzenölbasis zugeführt.

Quadratische PCBN-Wendeschneidplatte, freigestellt

KI-generierte Illustration – kein Foto der zitierten Studie oder eines EHWA-Produkts.

Weniger Verschleiß unter den geprüften Bedingungen

Unter den getesteten Bedingungen reduzierte MMS sowohl den Freiflächen- als auch den Kolkverschleiß gegenüber der Trockenbearbeitung. Das ist für die Fertigung relevant, weil PCBN seine Härte auch bei erhöhten Temperaturen behält, die Schneide aber dennoch einer anspruchsvollen Kombination aus Wärme, Reibung und abrasiven Gefügebestandteilen ausgesetzt ist.

Bei SAE 8620 trugen die Einsatzschicht und ihre harten Gefügephasen zum abrasiven Verschleiß bei. Die Ergebnisse sind eine nützliche Erinnerung daran, dass die nominale Härte allein die Zerspanbarkeit eines einsatzgehärteten Bauteils nicht vollständig beschreibt. Auch Karbidverteilung, Mikrostruktur und Einsatzhärtetiefe beeinflussen den dominierenden Verschleißmechanismus.

Rauheit im Schleifbereich – kein Freibrief für die Übertragung

Die berichtete Oberflächenrauheit lag unter Ra 1,5 µm. Für ausgewählte Funktionsflächen kann Hartdrehen damit einen Bereich erreichen, der häufig dem Schleifen zugeordnet wird. Das bedeutet nicht, dass Schleifen universell ersetzt werden kann. Form- und Maßtoleranzen, Prozessfähigkeit, Traganteil, Eigenspannungen und die spätere Funktion der Oberfläche müssen weiterhin für das einzelne Bauteil geprüft werden.

Randzonenintegrität: mehr als eine Rauheitszahl

Die Randzonenintegrität ist besonders wichtig. Hohe thermomechanische Belastungen können sogenannte weiße und dunkle Schichten erzeugen. Diese mikrostrukturellen Veränderungen lassen sich aus Rauheitsdaten allein nicht erkennen, können aber die Ermüdungsfestigkeit und das Verschleißverhalten beeinflussen.

In den berichteten Versuchen traten solche Schichten mit MMS seltener auf. Weiße Schichten waren teilweise dünner oder wurden nicht nachgewiesen. Das deutet auf eine geringere lokale thermische Belastung hin, ersetzt aber nicht die bauteilspezifische metallografische Validierung dort, wo die Randzonenintegrität kritisch ist.

Drei praktische Schlussfolgerungen für die Prozessplanung

Erstens sollte die PCBN-Sorte passend zu Werkstoff, Härteprofil, unterbrochenem oder kontinuierlichem Schnitt und dem tatsächlichen Bearbeitungsaufmaß gewählt werden. Zweitens muss die MMS-Zufuhr die Kontaktzone zuverlässig erreichen – Ölmenge, Luftdruck und Düsenausrichtung sind damit geregelte Prozessgrößen und keine Nebensächlichkeit. Drittens sollte die Prozessfreigabe sich nicht allein auf Ra stützen. Standzeit, Maßstabilität, mikrostrukturelle Veränderung und, wo relevant, Eigenspannungen sollten ebenfalls bewertet werden.

Wirtschaftliche Einordnung

Die wirtschaftliche Bewertung sollte den gesamten Prozess berücksichtigen. MMS kann den Verbrauch und Aufbereitungsaufwand flüssiger Medien reduzieren, erfordert aber eine stabile Dosiertechnik und eine wirksame Ölnebelabsaugung. Hartdrehen kann zudem zusätzliche Aufspannungen oder nachgelagerte Schleifoperationen entfallen lassen, wenn die geforderten Toleranzen zuverlässig erreicht werden.

Einordnung für EHWA CBN-Werkzeuge

EHWA bietet CBN-Wendeschneidplatten für das Außendrehen in mehreren ISO-Geometrien sowie passende Werkzeughalter an. Diese Produktfamilie ist grundsätzlich relevant für die Bearbeitung gehärteter Eisenwerkstoffe. Die zitierte Studie verwendete jedoch ein Werkzeug eines anderen Herstellers. Sie belegt daher keinen spezifischen Leistungsvorteil einer EHWA-Sorte. Eine belastbare Übertragung erfordert, dass Werkstoffzustand, Schnittdaten, Schneidengeometrie und MMS-Konzept gemeinsam ausgelegt und am tatsächlichen Bauteil validiert werden.

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